Ein Hoch auf unsere Hausmeister Teil 10

Es war einmal ein original orientalisches Aladin-Zelt aus dem 19. Jahrhundert. Es genoss seinen Nutzen als gemütliche Behausung der Nomaden, bis es wie gewohnt eingepackt, aber für eine lange Zeit nicht mehr ausgepackt wurde. Jahrzehnte lang lag es vergessen in der Ecke eines schottischen Schlosses und verschlief die Jahre in den Zipfeln seines Umhangs.

Bis es 1988, gemeinsam mit großen Teilen der Wandverkleidung und anderen Möbelstücken seinen Einzug in unser Hotel Prinz-Luitpold-Bad feierte.
Nachdem die Möglichkeit das Zelt für Gartenpartys zu nutzen, als zu schade empfunden wurde, kam Herrn Albert Gross im Winter die Idee ein Solarium daraus zu zaubern. Das Zelt wurde errichtet und war nun für 28 Jahre fester Bestandteil und als Sonnenbad nutzbar für alle Frei-Körper-Kultur-Liebenden unseres Wellness-Bereichs.

Allerdings darf auch ein antikes Sonnenzelt müde werden und so kam es, dass es Herrn Armin Gross letzten Herbst in seinen Träumen aufsuchte. „Ich bin sooo müde… Ich bin sooo alt… Ich möchte mich endlich wieder einrollen und zum Schlafen legen dürfen…“, flüsterte es. „Oh du armes, altes Aladin-Zelt, bist uns jetzt so lange treu gewesen, sollst auch deine verdiente Ruhe bekommen.“, sagte da beim Frühstücks-Kaffee Herr Gross und wandte sich an unseren Hausmeister Jörg: „Lieber Jörg, unser treues Aladin-Zelt möchte in den Ruhestand. Für seine Verdienste über all die Jahre, würde ich ihm gerne ein Denkmal bauen, das uns immer an das Zelt erinnert. Was denkst du, kannst du uns eine runde Textil-Sauna zaubern?“ „Ja, mei! Großer Gott, Armin? Eine Runde muss es sein? Des wird schwierig…“, rief da Hausmeister Jörg. „Ich weiß, ich weiß, mein Guter, aber es muss etwas ganz Besonderes sein, und so eine Textil-Sauna ist da genau das Richtige!“, beschwichtigte Herr Gross. Da strich sich Hausmeister Jörg bedächtig übers Kinn: „Mmh… Mmmh… Mmmmh… Mmmh… Mmh…“. Sieben Tage und sieben Nächte, machte Hausmeister Jörg noch „Mmh“, bis er zu Herrn Gross sagte: „Armin, I glaub, I hab da so ne Idee…“, und sofort begannen die Augen von Herrn Gross zu leuchten vor Aufregung und Vorfreude.

Bis das Leuchten seinen Einzug in die neue Textil-Sauna feierte, waren jedoch viele, viele Stunden Arbeit und mindestens genauso viele schlaflose Nächte für Hausmeister Jörg und seinen Kollegen Christian notwendig …

Nordisches Ficht-Holz und ein Saunaofen im schlichten Schwarz wurden bestellt sowie die Schraubenbestände des lokalen Baumarkts geplündert (natürlich gegen Bezahlung).

Hausmeister Jörg griff zum Sägeblatt und Kollege Christian zur Bohrmaschine, gemeinsam wurde sich der Challenge „Textil-Sauna“ gestellt. Lange hörte man nichts außer der kreischenden Maschinen und – ab und zu – das Gefluche der Hausmeister.

Herr Gross nutze die Zeit seinerseits und durchforstete Zeitung und Internet, um die perfekte Ergänzung zur Sauna zu finden – mit Erfolg. Er entdeckte ein geschätzt 150 Jahre altes, bemaltes Fensterglas in einem schwarzen Rahmen mit einer goldenen Königskrone auf einem tiefblauen Wappen. Ohne allzu lange zu zögern, schnappte sich Herr Gross Autoschlüssel und Gattin und gemeinsam bezwangen sie den Roadtrip nach Baden-Württemberg zum Gasthaus „Krone“ um das neue Herzstück in Gewahrsam zu nehmen.

Hausmeister Jörg ließ das Prachtstück über dem Ofen in der Mitte des Daches ein und machte den Rest der Decke – mit Leuchtstäben aus Bleiglas – zum Sternenhimmel. Kollege Christian hielt mit stets guter Laune und rettenden Handgriffen das Ganze am Laufen und zuletzt wurde Azubine Yelena dazu beauftragt die Legende wie es zur unseren neue Textil-Sauna (bzw. dem „Holziglu“) kam, zu verkünden.

Das gute, alte Aladin-Zelt darf nun wieder für einige Jahre Urlaub machen und sich nur für besondere Events wieder in Form bringen.

Mit freundlichen Grüßen aus Bad Hindelang
Yelena Glajcar
Rezeption
Auszubildende

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