Ein Tagebucheintrag zwischen Näh-und Telefonmaschine Teil 11

Biergarten

Liebes Tagebuch,

was soll ich sagen? Wir schreiben nun Mitte Mai und endlich haben wir ein festes Datum zur Wiedereröffnung unseres Hauses! Ab dem 30. Mai 2020 reißen wir, nach viel zu langem Frühlingsschlaf, endlich wieder Tür und Tor für alle Gästinnen und Gäste auf, die uns genauso sehr vermisst haben, wie wir sie. Die Türen des Biergarten sogar schon ab dem 21. Mai.

Von nun gibt es endlich kein „es könnte sein“ oder „wir wissen auch noch nicht so richtig“, oh nein – oder wie der Spanier sagen würde: No, gracias! Endlich heißt es wieder: JA! Sie dürfen uns wieder besuchen kommen. Endlich wieder Aus- und Entspannung in unserem Biergarten, auf der Hollywood-Schaukel und auf den, zum Picknick einladenden, Wiesen.

Klar, es wird einige Einschränkungen geben… Allerdings müssen wir positiv bleiben! In nicht allzu ferner Zukunft trennen uns und unsere treuen Gäste nur noch ein Mundschutz und 1,5m und nicht mehr ganz Deutschland, vielleicht sogar eine europäische Grenze, gar ein ganzer Ozean.
Du wirst es nicht fassen, doch habe ich gestern einem Stammgast aus Amerika geschrieben…

Bis es soweit ist, habe ich nun fleißig an den Zoom-Veranstaltungen der Berufsschule teilgenommen und paukte neben dem sogenannten „Apfelsaftparagrafen“ (er beschreibt die Ausschank-Regelungen von Alkohol in Deutschland, und ja, er heißt wirklich so), noch wunderbar „spannende“ Buchhaltungskontennummern.

Tja, sonst habe ich bei einem meiner Hausspaziergänge unsere alten Stoff-Servietten sowie Tischdecken gefunden und die zündende Idee gehabt, Motivation und vorhandene Ressourcen zu nutzen um Recycling zu betreiben.
Daher steht nun neben meinem Rezeptions-Computer, meinem Tablet für Videokonferenzen der Schule und der stetig vorhandenen Tasse Kaffee, eine Nähmaschine und ich darf verkünden: Die Langeweile, die sich über Ostern vielleicht noch das Eis am Nachmittag mit mir geteilt hat, schaut jetzt blöd aus den Lederhosen…

Aber seien wir ehrlich: Eis habe ich seit einigen Tagen auch nicht mehr gegessen und mit der Ruhe ist es allein schon deshalb vorbei, weil die Vögel so laut zwitschern als möchten sie die bald wiederkehrenden Gäste rufen. Wenn dies der Fall sein sollte, ich glaub bei mir piepst auch gleich... (Tinitus?)

Naja, ich nutze diesen eher flachen Witz um nahtlos (verstehst du, wegen Masken nähen – oh Gott, es wird Zeit, dass diese Isolation ihr (Michael) Ende findet – ich werde wirklich verrückt) zum Abschluss zu kommen.

Mit ein bisschen königlichen Grüßen aus Bad Hindelang
Yelena Glajcar
Auszubildende
Rezeption

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