Es ruft der Berg … Teil 9

Blog Grenzgänger

Wenn man durch die Flure unseres Hotels schlendert, kann man die schönen, alten Gemälde von Mensch, Tier und Natur, welche die Wände links und rechts schmücken, bewundern. Besonders eines hat es mir persönlich angetan: Das Gemälde „Hindelang“ von Charley Peklo, im ersten Stock, zeigt den vertrauten Blick auf einen Wiesenweg, welcher zwischen Bäumen verschwindet. Es erinnert mich an die Hüttenwanderungen durch unsere Allgäuer-Alpen, welche ich jeden Sommer mit Mutter, Schwester und Rucksack mache.

Dann bewandern wir Wege, welche sich genauso wie hier über Wiesen, Stock und Stein schlängeln. Bäume werden karg und klein, gegensätzlich dazu wird die innere Ruhe und Freiheit immer größer…

Am Liebsten nutzen wir den Aufstieg in Hinterstein, über die Wildfräulein-Höhlen, auf zur Willers Alp und dann immer höher, weiter wohin Nase, Füße oder Wind uns treibt.

Zuerst einige, kurze Züge durch den versteckten Schrecksee, dann Rast machen und im Schatten des 2013 m hohen Kirchendachs die mittägliche Brotzeit genießen. Daraufhin am Jubiläumsweg vorbei, zur Steinkarspitze. Diese 2015 Höhenmeter sind eine große Anstrengung für uns – allerding nur ein kleiner Ausflug für die Gämse.

Eine ganze Herde pflügt über die Schuttabhänge. Schnell das Fernglas gezückt, Handykamera in der Tasche gelassen, solche Glücksmomente sind für Augen und Gedächtnis da – kein Bild der Welt kann das Gefühl des kindlichen Erstaunens, welches die raue Natur in uns entfacht, einfangen.

Am Kreuz angekommen, erst einmal ordentlich durchatmen und den Kopf von allen negativen Gedanken befreien. Vor uns erstreckt sich das Allgäu am Hochvogel vorbei bis in die Ötztaler Alpen.
Nach einem Fernwehseufzer, zwei Handvoll Nüsse und drei Sätze mit den anderen Wanderern, beginnen mit dem Abstieg. Viel zu schnell ist der Weg, welchen wir auf der einen Seite hochgeschnauft sind, nun schon wieder abgestiegen.

Allerdings lädt vor uns die Landsberger Hütte zum Einkehren ein. Der Tag gehört gefeiert und beschlossen mit kalter Holunderschorle. Die Anstrengung des Tages lässt sogar den Schlafsaal mit Mehrstockbetten und schnarchender Gesellschaft – die einfach dazugehört – zur besten Ruhestätte erglänzen. Hält man dies nicht aus, bleibt man besser gleich zu Haus (an dieser Stelle viele Grüße an meinen Vater)!

Allerdings nur bis die Sonne ihre ersten Strahlen des nächsten Tages erblicken lässt, früh schon machen wir uns auf den Weg. Kuh und Hüttenvater wundern sich, wer ihnen zu solch ungewohnten Stunden die Einsamkeit stiehlt, doch winken wir nur kurz und ersteigen dann den nächsten Gipfel. Am besten schmeckt das Frühstücks-Honigbrot nämlich im Sonnenaufgang – der Wind pfeift leise und die Murmeltiere klingeln…

Klingelnde Murmeltiere? – „Hallo, Frau Glajcar, ähm, träumen Sie? Das Telefon klingelt, wollen Sie nicht mal ran gehen?“

Wie bitte? Oh nein, das Telefon klingelt seit geschlagen Minuten im Dauertakt, das Email-Fach quillt über… die Menschen können es wohl kaum erwarten wieder zu uns zukommen! Nun, aber wer kann es Ihnen verübeln?!

Ich schwinge mich aus Sessel und Erinnerungen und positioniere mich mit Notizzettel und Stift bewaffnet vor dem Rezeptions-Computer.

Nachts mag meinetwegen Batman über „Gotham-Bad-Hindelang“ wachen, des Tages über ist nun Azubine Yelena zu Stelle, um neue Hoffnung in Form von Aufenthaltsbestätigungen für zukünftige Wellness-Urlaube, in der Welt zu verbreiten…

Mit freundlichen Grüßen aus Bad Hindelang
Yelena Glajcar
Rezeption
Auszubildende

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