New Shirt - Old me! Teil 13

Ich habe nun also mein Dirndl mit Schürze abgelegt und durch eine schwarze Hose und weißem Poloshirt, natürlich mit Hotel-Logo versehen, ersetzt. Von 6:30 bis 11:30 Uhr staubsauge ich alle Restaurants, die das Haus vorzuweisen hat und putze An- bzw. Abreisezimmer.

Ich teile Wasser, Klopapier und weiche Saunahandtücher aus und sammle Mülltüten, benutzte Handtücher sowie leere Flaschen wieder ein. Wie sagt mein Papa immer? Es ist ein Geben und Nehmen. Zugegeben: Bei der momentanen Hitze würde ich mir lieber entweder frei nehmen – oder Geben lassen… Oder unseren Infinity-Pool putzen – von innen – im Badeanzug...

Aber allzu laut beschweren möchte ich mich wirklich nicht, schon nach einer Mittagspause mit den Hausdamen wechsle ich in Jeans und Shirt und von Betriebs- in Hochkonzentrationsmodus.

Frau Burger wartet. Die Buchhaltung wartet.

Aber Frau Burger wartet nicht nur, sie ERwartet auch und so malt von 12 bis 15 Uhr mein Kopf indianische Rauchzeichen in die Büroluft. Bis jetzt ist allerdings noch kein Feueralarm wegen telegrafierender Azubinen ausgelöst worden…

Mit meinem ersten Wechsel zwischen den Abteilungen, welche den Betrieb zusammensetzen, gesellte sich auch eine erste Erkenntnis:
Während im Dirndl alles strahlt und jeder versucht den unaussprechlichen Nachnamen möglichst musikalisch über die Lippen bringen zu lassen, sehen manche das Mädchen, dass die Federkissen, welches das Dirndl verteilt, schüttelt, gar nicht.

Es ist befremdlich, dass die Herkunft meines Nachnamens, im Dirndl automatisch die Geschichtskenntnisse der Gäste hervorruft – während im Poloshirt eher die Frage gestellt wird, wo ich herkomme.

Nichtsdestotrotz bleibt die Zeit nicht stehen, Corona verliert nicht an Gefährlichkeit und ich komme mehr denn je ins Schwitzen. Bin ich es nun, die die Telefonanrufe der Rezeptionistinnen mit Wünschen der Gäste entgegennimmt und entsprechend ausführt.
So werden kleinere/größere Bademäntel und Wasserkocher gebracht, Zimmerumzüge für eine Nacht durchgeführt und Fensterfronten geputzt.
Sie werden laut lachen, allerdings ist dies tatsächlich etwas, was ich noch nie zuvor gemacht habe, obwohl das Haus meiner Eltern mindestens genauso große Fenster vorzuweisen hat. Daher musste der Azubine erstmal beigebracht werden, wie man Fenster putzt, ohne sie schmutziger zu hinterlassen, als sie aufgefunden wurden… Nun sind die Fenster in Zimmernummer 401 jedoch so sauber wie noch nie – hoffe ich.

Nun muss ich mich jedoch wieder verabschieden und noch ein bisschen den Staubwedel schwingen. Bis Mitte September werde ich nun voraussichtlich entweder Zimmer putzen oder Frau Burger mit Fragen bombardieren. Und wer weiß, vielleicht werde ich in diesem Zeitraum auch ihr Federkissen ausschütteln? Kleiner Tipp, ich bin eine der Damen mit weißem Polo-Shirt, halten Sie nach mir Ausschau und wenn keiner hinguckt, kann ich Ihnen zeigen wo wir den Vorrat unserer leckeren Betthupferl-Schokolade horten...

Mit freundlichen Grüßen aus Bad Hindelang

Yelena Glajcar

Etage/Buchhaltung

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