Mit Herz, Hörnern und Heimatverbundenheit – der Hof der Familie Müller
05.01.2026 - Geschrieben von Sabine Gross
Der Hof der Familie Müller blickt auf eine fast 300-jährige Geschichte zurück und war seit jeher im Familienbesitz. Über Generationen hinweg prägte die Landwirtschaft das Leben auf dem Hof. Was einst ein Haupterwerb mit fünf bis sieben Milchkühen war, entwickelte sich im Laufe der Jahre zu einem Nebenerwerb. Heute halten die Müllers 22 Masttiere und verbinden damit Tradition, Verantwortung und moderne Anforderungen.
Auf den Weiden stehen Original Allgäuer Braunvieh und Tiroler Grauvieh – selbstverständlich alle mit Hörnern. Hauptsächlich handelt es sich um Ochsen, ergänzt durch einige Färsen. Jedes Tier hat seinen eigenen Namen und kennt seine Menschen genau. Diese enge Beziehung zur Herde ist ein zentraler Bestandteil der täglichen Arbeit und wird bewusst an die nächste Generation weitergegeben.
Der Alltag auf dem Hof verlangt viel Einsatz und Flexibilität. Im Winter beginnt der Tag früh: Bereits um 4.30 Uhr werden die Tiere versorgt, bevor es weiter in den Vollzeitjob geht. Am Abend folgt eine weitere Stallrunde. Im Sommer entfällt die Stallarbeit vollständig, da alle Tiere draußen sind. Dafür bestimmt die Heuernte den Rhythmus der Tage – oft zusätzlich zur regulären Arbeit und immer dann, wenn das Wetter es erlaubt. Viele Flächen liegen in steiler Hanglage und können nur in aufwendiger Handarbeit bewirtschaftet werden.
Veronika Müller verbindet mit dem Hotel Prinz-Luitpold-Bad eine ganz persönliche Geschichte. Ihre Kochlehre absolvierte sie hier, in einem der renommiertesten Häuser der Region. Schon ihr Großvater, zwei Tanten und ein Onkel arbeiteten im Haus oder machten dort ihre Ausbildung – eine Verbindung, die bis heute Bestand hat.
Die Vereinbarkeit von Familie, Hof und Beruf bringt Herausforderungen mit sich. Während Arbeitszeiten im Hotel meist planbar sind, verlangt die Landwirtschaft ständige Bereitschaft. Wetter, Marktpreise und zunehmende Bürokratie erfordern Gelassenheit und Durchhaltevermögen. Umso wichtiger sind regionale Partnerschaften, die faire und stabile Preise ermöglichen.
In die Zukunft blickt die Familie bewusst bodenständig. Der Nebenerwerb soll bestehen bleiben, aktuell ist ein neuer Laufstall geplant, um den Tierkomfort und das Tierwohl weiter zu verbessern. Was sie antreibt, ist die Arbeit mit Tieren und Natur – und der starke Familienzusammenhalt, besonders an arbeitsintensiven Tagen wie der Heuernte.
Für die bäuerliche Zukunft im Allgäu wünschen sich die Müllers vor allem den Erhalt der kleinstrukturierten Landwirtschaft, mehr Wertschätzung in der Gesellschaft und ein klares Bekenntnis zu Regionalität – in der Gastronomie wie auch in privaten Haushalten, selbst wenn Qualität ihren Preis hat.