Entspannung – ein bisschen königlich! Teil 3

Bestandsaufnahme:
Ich, putzwütig wie drei Putzkolonnen, habe alle Ecken, die unsere verwinkelte Rezeption so verstecken kann, gestaubsaugt und feucht durchgewischt.
Ich habe alle meine Berufsschul-Hausaufgaben gemacht und sogar Spanisch-Vokabeln gelernt.
Ich weiß nun, dank der Lektüre, welche mir Herr Gross gab, „Was nicht jeder über Hindelang weiß …“ mehr über unsere kleine Friedensidylle als manch Einheimischer.

Und nun saß ich gestern hier und hatte eine wunderbare kleine Unterhaltung mit einer unserer Stammgästinnen, welche eigentlich immer über Ostern zu uns kommt – zum Aus- und Entspannen.  Offensichtlich ist es dieses Jahr nun leider nicht möglich und so klagte sie betrübt, dass sie nun gar nicht die wundervollen Aromaöl-Massagen unseres lieben Masseurs, Herrn Tamm, genießen könnte. Daraufhin kam mir die rettende Idee: Ich mach mich ein bisschen schlau, wälze unser Wellness-Menü und versuche mein Bestes, ein bisschen Prinz-Luitpold-Bad in ihr aller Heim zu bringen – ganz hygienisch rein und hunderten Kilometern Abstand.

Ich nenne das Ganze „ein bisschen königliche Entspannung“ für die heimischen vier Wände. Natürlich sind wir uns alle bewusst, dass dieses nicht einen Aufenthalt in unseren eindeutig mehr als vierzig Wänden ersetzten kann. Allerdings wird es wohl reichen müssen bis alle wieder mundschutzfrei einkaufen gehen dürfen, alle wieder entspannt eine Packung Klopapier und nicht fünf auf einen Streich kaufen und Nudeln wie Mehl ihre ständige Gegenwart in den Supermärkten feiern.
So – und nach 222 Wörtern der Einleitung – komme ich endlich zum Punkt und Sie zum Wasserkocher. Nicht umsonst ist unser Wellness-Bereich überall ausgestattet mit Tee-Stationen, der beste und meist schnellste Weg zu einem guten Bauchgefühl ist häufig eine gute Tasse Tee, oder auch eine Kanne, wenn Sie so wie meine Mutter sind …

Während nun also das Wasser zu kochen beginnt, suchen wir uns eine Yoga-Matte oder ähnliches und ein kleines Kissen. Breiten Sie die Matte so aus, dass Sie gute Sicht aus einem Fenster haben und im besten Fall etwas von dem wundervollen Sonnenschein abbekommen, welcher in Deutschland ja glücklicherweise seit Quarantäne-Beginn überwiegt.

Wir werden nun versuchen Herrn Tamms wundervolle Aromaöl-Massage zu imitieren – das dazu benötigte Massage-Öl machen wir uns ganz einfach selbst. Für ein entspannendes
Lavendel-Massage-Öl brauchen Sie 100ml Basis-Öl (beispielsweise Mandel- oder Sonnenblumen-Öl) und drei bis vier Tropfen ätherisches Lavendel-Öl. Diese beiden Komponenten füllen sie einfach in ein kleines Fläschchen und schütteln es für einige Sekunden. Zack fertig! – Und hat da gerade das Wasser gekocht? Perfekt, ein guter Kräutertee bringt meist am schnellsten alpenländliche Gefühle auf …
Nun, mit dampfender Tasse, nehmen Sie bitte auf der Matte Platz, wenn Sie möchten legen Sie sich das Kissen unter, wir werden ein bisschen Zeit genauso verbringen. Ziehen Sie sich erst die flauschigen Heim-Socken aus und nehmen dann den linken Fuß auf den Schoß. Reiben Sie sich sanft mit den öligen Händen einmal über die gesamte Rückseite des Fußes. Unsere Füße halten viel aus, gerade in Tagen wie diesen … Den ganzen Tag laufen wir auf ihnen vom Bett in die Küche, von der Küche ins Bad, vom Bad wieder ins Bett … Zeit, dass wir ihnen den verdienten Respekt zollen.

Nutzen Sie also Daumen und Zeigefinger um jeden einzelnen Zeh zu reiben, zu drücken und in kreisförmigen Bewegungen erst in die eine, dann in die andere Richtung zu massieren.
Werden Sie langsam immer größer, bis Sie den ganzen Fußballen mit beiden Daumen sanft drücken. Wandern Sie hinunter zum Hohlraum zwischen Fußballen und Ferse und führen Sie hier die kreisförmigen Bewegungen weiter durch. Achten Sie hier genau auf Ihr Wohlbefinden, viele Menschen sind sehr empfindlich gerade an dieser Reflexzone.

Kommen Sie nun über die Außenseite zum Fußrücken. Legen Sie den rechten Daumen sanft in den Hohlbogen unterhalb des Fußes. So haben Sie die Finger von beiden Händen frei für die Massage der Fußoberseite. Machen Sie dabei sanfte kreisende Bewegungen über den Fußrücken und arbeiten Sie sich so von oben nach unten und zurück. Schlussendlich reiben Sie die Fußunterseite nochmal richtig warm. Dann kommt der rechte Fuß an die Reihe …

Mit dem Lavendelduft in der Nase und warm geriebenen Füßen setzten Sie sich nun in den Schneidersitz und schließen die Augen. Fühlen Sie nochmal nach. Lassen Sie alles schwer werden und achten Sie nur auf ihren Atem. Tief ein – lange aus … Sie haben alle Zeit der Welt – und ganz nebenbei auch ihren Händen etwas Gutes getan. Durch das viele Waschen und Desinfizieren sind die bestimmt genauso trocken wie meine geworden und Öl wirkt da wirklich Wunder.

Nun machen Sie sich bereit für die Endmeditation. Ich habe nämlich heute Morgen auf dem Weg hier her mein größtes Marmeladenglas in den Wind gehalten und extra für Sie die beste Luft der Welt eingefangen. Atmen Sie mal tief ein, können Sie auch das leise Quietschen der Hollywood-Schaukel in unserem Biergarten hören? Auch das leise Plätschern unseres Gesundbrunnens? Auch das beständige Klopfen der Handwerker die unser Dampfbad neu verkleiden? Warten Sie, was? Stopp! Das wird, wenn Sie wieder hier sind, natürlich nicht mehr da sein. Stattdessen ein wunderschönes Dampfbad im neusten Gewand.

Und, wie fühlen Sie sich jetzt? Kurzerholt? Ich schon, denn aus Recherche-Zwecken musste ich natürlich schauen, ob die Fußmassage wirklich so gut ist wie alle sagen und ich bin doch sehr zufrieden. Ich hoffe Sie auch.

Ich habe meine Dienste für den heutigen Tag getan und darf mich verabschieden. Trinken Sie noch eine gute Tasse Tee auf mich, halten Sie die Ohren steif und die Füße geschmeidig.

Yelena Glajcar
Rezeption
Auszubildende

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