Zeit Ihnen reinen Wein einzuschenken… Teil 5

Es ist Zeit ehrlich mit Ihnen zu sein. Ich habe nun wirklich lange genug geschwiegen. Sie haben die Wahrheit verdient: Die Gerüchte stimmen. Ich bin ursprünglich ein „echte Meenzer Mädche“ und noch dazu stolz drauf.
Mein Papa, gebürtiger Gonsenheimer, sah mich, nahm mich und schwor mich auf das traditionelle „Mainz bleibt Mainz“-Schauen ein.
Mein Onkel Ludwig, ebenfalls Gonsenheimer mit Leib und Seele, oder eher gesagt mit Fleischwurst und Weck, schrie und brüllte den Rosenmontagsumzug taub, nur um für meine Schwester und mich einen Süßigkeiten-Bestand zu erwerben, dass zum Fasten bis Ostern nicht genug Zeit gab.

Dazu kommt: Mein Elternhaus liegt sieben Kilometer hinter Mainz, zwischen sieben-tausend Weinstöcken, im (Achtung!) größten Weinanbaugebiet Deutschlands: Rheinhessen! Somit sind mir schon von klein auf Weinstuben und Straußwirtschaften besser bekannt als meine linke Westentasche und wenn Sie Bretzel sagen, schrei ich voller Freude „SPUNDEKÄS!!!“

Mein Bauchgefühl, hier den richtigen Ort für meine Ausbildung gefunden zu haben, wurde mir bestätigt, als ich herausfand, dass Herr Armin Gross in seiner Freizeit gerne Trauben hegt, pflegt und, weiteren Gerüchten zufolge, hervorragenden Wein macht.
Als Teil der besonderen Aktivitäten für die Auszubildenden des Hauses, verbrachten wir zudem im Oktober letzten Jahres einen Tag im Weinberg der Familie Gross. Fun-Fact nebenbei: Dieser Weinberg ist der höchste Deutschlands und da ich offenbar nicht die Einzige bin, die sich gerne mit Superlativen umgibt, war auch der Bayrische Rundfunkt in Rahmen ihrer Sendung „Heimat der Rekorde“ dabei.

So schibbelten wir sechs Auszubildenden und Herr Gross, - glückselig lächelnd (trotz Regen!) -  vor der Kamera einige Stunden Trauben und jagten dann, immer noch unter den wachsamen Augen der Kamera, unseren Fang durch die hydraulische Presse.

Während Traubensaft und Hefe daraufhin in unserer Küche das erste Blinddate hatten, schenkte uns Herr Gross seinen Wein des vergangenen Jahres ein und gemeinsam mit Maria Grosser, der Wein-Sommelière des Gasthauses „Obere Mühle“, stießen wir zwischen Mikrofon und Brotzeit, mit extra gutem Käse, auf uns an.

Nun habe ich Ihnen aber auch noch gar nicht vom Weinnachtsbaum erzählt.
Ja tatsächlich, unserem Wein-Nachtsbaum!

Im Dezember 2011 wurde basierend auf der Idee von Rudi Knoll (Weinkritiker und Chefredakteur der Vinum) - bei uns im Haus die erste offizielle Wein-Nacht veranstaltet. Das Event besteht stets aus einem fantastischen Mehr-Gänge-Menü, bei dem die Gewinnerweine des deutschen Rotweinpreises gereicht werden, im Beisein der Gewinnerwinzer, denen Rudi Knoll, Geheimnisse entlockt.  Zur letzten, der achten Nacht, wurde unser erster Wein-Nachtsbaum präsentiert. Ein Baum bestehend aus leeren Weinflaschen, welche mit viel Genuss im vergangenen Jahr zu besonderen Momenten - wie beispielsweise der Brotzeit mit uns Azubis - getrunken wurden und einer endlos langen Lichterkette. Den ganzen Winter über leuchtete das Flaschen-Konstrukt nun vor unserem Restaurant.

Pünktlich zum Frühlingsstart wurde der Baum jedoch wieder sicher verstaut und nun klopft Ostern an die Hotelpforten. Vor meinem Fenster platzen die Vögel beinahe vor lauter Gezwitscher und ich werde mir nun daran ein Beispiel nehmen, auch die Sonne genießen und, nicht wie es an Weihnachten mit Familie Gross die Tradition ist, den echten Weihnachtsbaum, sondern meine selbstversteckten Ostereier suchen.

Selbstversteckt? Ja, das musste ich auf Grund der Selbst-Isolation wohl oder übel selbst übernehmen und einen Hotelgeist haben wir nicht. - Noch nicht, wenn das mit dem Corona nicht bald wieder aufhört übernehme ich sehr wahrscheinlich diese Rolle in naher Zukunft und dann darf der nächste Alleinhüter von Telefon und E-Mail-Fach des Hauses meine versteckten Osterhasen finden…

Naja, nicht die Löffel hängen lassen. Frohe Ostern und auf das Sie bei dem ganzen Alltagsstress ein wenig Ruhe neben den Ostereiern finden…

Ihre ein wenig sarkastische
Yelena Glajcar
Rezeption
Auszubildende

 

Bei Interesse hier der Link zum Beitrag von „Heimat der Rekorde“: https://www.br.de/mediathek/video/heimat-der-rekorde-der-hoechstgelegene-weinberg-deutschlands-av:5e17b1e157883e0013993b4d

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